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More & More - Der 'mittelalterliche' Sprachgebrauch

Vorbemerkung:
Ein Rollenspiel-Server ist nicht der einzige Platz auf der Welt, auf dem man ein mittelalterlich angehauchtes Sprachrepertoire brauchen kann. Es gibt auf Mittelaltermärkten ebenso wie auf LARP-Events eine Menge Leute, die versuchen, ihre Sprache den mittelalterlichen Gegebenheiten anzupassen. Natürlich basieren diese sprachlichen 'Rückkreuzungsversuche' nicht (nur) auf den Arbeiten irgendwelcher Philologen und Spezialisten für das Mittelhochdeutsche, sondern entstammen zumeist der lutherischen Umgangssprache (die durch Luthers Briefe ganz gut belegt ist) sowie der Carmina Burana, die als erhaltenes, mittelalterliches und weltliches Liederwerk sowieso schon für allerlei sprachliche und musikalische Schandtaten herangezogen worden ist. ;) Das Mittelhochdeutsche - die Sprache des Mittelalters - lag für unser heutiges 'Ohr' übrigens viel näher am polnischen. Der sprachliche Einfluss durch Latein, Französisch und (zuletzt) Englisch, der vor allem durch Gelehrte, Adelige usw. auf die deutsche Sprache wirkte, lässt unsere heutige Sprache sehr viel 'westlicher' erscheinen. Dies lässt sich ganz sicher nicht rückgängig machen, auch mit noch so viel Mühe nicht. Keiner der Versuche, Deutsch einen 'Hauch' Mittelalter mitzugeben, kann also als authentisch, historisch belegt oder gesichert angesehen werden. Das lässt alle Freiheiten, sich auch selbst eigene Redewendungen oder passende Umschreibungen auszudenken!

Vorschläge für den pseudo-mittelalterlichen Sprachgebrauch:
* Präteritum

Bei vielen Leuten schindet es schon Eindruck, wenn man die einfache Vergangenheitsform eines Verbs verwendet anstatt den Perfekt, denn diese wird im Deutschen nicht mehr sehr oft genutzt.

"Ich erschlug..." (statt "ich habe erschlagen")
"Er verstand..." (statt "er hat verstanden")

* Veraltende Verbformen
Bei vielen Verben gibt es eine altmodische oder veraltende Formen. Viele von ihnen fallen durch ein zusätzliches "e" auf.

"es ward einmal..."
"ihre langen Haare flocht sie..."
"Höret, ihr guten Leute..."
"Rennet er ganz bis auf den Hügel..."

* Konjunktiv
Den Konjunktiv zu benutzen, ist auch heute noch eine Form der Höflichkeit. Meist jedoch wird er heute nur mit den Hilfsverben "hätte", "würde" oder "wäre" gebildet. Es lassen sich aber alle Verben in den Konjunktiv setzen, was ebenfalls einen schönen Effekt hat.

"Gäbs denn hier ein Glas Bier, Herr Wirt...?"
"Verzichtete ich auf meinen Anteil, so wäre es wohl..."
"Brächte man mir ein gutes Stück Fleisch, so würde ich gut dafür zahlen!"

* Genitiv
Der Genitiv ist im Deutschen am Aussterben. Heutzutage wird statt des Genitivs ("des Schwertes") eigentlich fast immer der Dativ ("von dem Schwert") verwendet, so daß auch dies einen 'altmodischen' Eindruck macht. Wie heutzutage auch noch war der Genitiv allerdings wohl eher ein Fall für gebildetere Leute.

"Er nahm des Freundes Hand..." (nicht 'von dem')
"Ich verlor eine große Menge (des) Geldes, als ich..."
"Er ist des Todes!"

* Anrede
Die gängige Anrede des einfachen Volkes untereinander und Rangniederstehenden gegenüber war 'Du'.
'Ihr' verwendete man Höherstehenden gegenüber und auch Adlige untereinander.
'Euer Exzellenz / Hochwohlgeboren / Durchlaucht' usw. war dann das höchste, was man jemandem sprachlich an Ehrerbietung zollen konnte.

* altmodische Wörter
Es gibt eine ganze Reihe von Wörtern, die in jedem Duden stehen und mit dem Begriff 'veraltend' gekennzeichnet sind. Wer gerne Kreuzworträtsel macht, kennt das Wort sicher auch. Natürlich sind diese Wörter gut geeignet, um einen 'altmodischen' Sprachgebrauch zu simulieren.

Ich habe sie nach für unsere Zwecke passenden Wörtern durchsucht und diejenigen, die vielleicht inzwischen einigen jüngeren Lesern vollkommen unverständlich sind (*hüstel*), mit einer Erklärung versehen:
abdecken (= die Haut abziehen, auch als 'schinden' bezeichnet)
Abtritt (= Klo)
ade
adieu
Advokat (= Anwalt)
äffen (= nachahmen, herumclownen)
allda / allhier
allerenden
allerorten
allezeit
allzeit
Altvordern
Antlitz (= Gesicht)
Augenglas
Bankert
Bauchgrimmen
Begebnis
Begehr
beifolgend
Bresche
Bube
Bubenstreich
Bubenstück
Büberei
Büttel
daselbst
deinethalben / meinethalben
deuchen (= scheinen)
dieserhalb
dingen (= anheuern)
dortselbst
ehelichen
ehrsam
Ehrsamkeit
Ehrwürden
einstmals
einträchtiglich
entraten (= mutiert)
erfrechen
erküren (= auswählen, erwählen)
Erweis (= Beweis)
feil halten (= anbieten)
jmd. feind sein
Fiedel (= Geige)
flugs (= schnell)
forthin
Fremdling
Freudenmädchen
jmd. freund sein
Frevel
fürwahr
gaukeln
gebührlich
gen (= in Richtung von)
genant (= schämt sich)
genugsam
genugtun
gereuen
geruhen
Gespiele (= Freunde)
gestreng
gewisslich
Geziefer
geziemen
glimmrig
Grimm
großjährig
hablich
hanebüchen (= nur vorgegaukelt)
Harm (= Ärger, Streit)
Haufe
hausieren
heda!
heischen (= fordern)
henken
Herzeleid
herzinnig
herzinniglich
hinfort
hinterdrein
hinwieder
höchsteigen
höchstselbst
hochwohllöblich
hochwürdig
Hoffart
Hofschranze
hold (= geneigt, gewogen, zugetan)
holdselig
honorig
Huld
hupfen
ihrethalben
Ingrimm
jedweder
jeglicher
jemine
jenes / welches
jüngst
jüngsthin
jüngstvergangen
just
Kehricht (= Schmutz vom Kehren)
Kindbettfieber (= Erkrankung der Mutter nach Geburt eines Kindes)
Kleinod (= Amulett)
kredenzen
Kuppelei
Lehrmädchen
Leibesertüchtigung
leichtlich
Lobspruch
Lustbarkeit
lustwandeln
Maie
meinethalben
meisterlich
memorieren (= merken)
meucheln
meuchlings
Mime (= Schauspieler)
mimen
Mirakel (= Wunder)
Missetat
Mitgift
mitnichten
mitteninne
Mummenschanz
nachgelassen (= geerbt)
nachmalig
Narretei
Näscherei
nebst
neuern
neuerlich
nichtsdestoweniger
niederkommen
Niederkunft
niedriggesinnt
nirgend
Notdurft
Obdach
Obgleich
obsiegen
obzwar
ohnehin
parlieren
Pfeffersack (= reicher Händler)
Poem
querüber
Ränke
Ränkeschmied
Ranküne (= Groll, Grimm)
Räson (= Vernunft)
rätlich
ratschlagen
rechtschaffen
respektierlich
Saufaus
Säumnis
Scharwenzel
schau
Scheelsucht (= Eifersucht)
scheelsüchtig
Scherflein
schiefmäulig
schirmen
schmälen
Schmaus
schmausen
Schmauserei
Schmutzian (= Schmutzfink)
Schnäuztuch
Schnitter (= der Tod als Personifikation)
Schöpfe
Schurkenstreich
seinethalben
Sendbote
siech (= Krankheit)
sittsam
sorglich
sodann
Spezerei
spornen
Spülicht (= Abwaschwasser)
Stallknecht
Stallmagd
Stelldichein
Stete
Stetheit
Streitmacht
Tambour
Tanzplatz
taubstumm
Taubstumme
treulich
Trunksucht
tugendsam
tunlich
überquer
Ungebühr
Ungefähr
ungeschicklich
unkeusch
unpass
Unschlitt (= Talg, Wachs)
unserthalben
unstetig
unsträflich
untertan
untunlich
unvermerkt
unziemlich
verabfolgen
Verderbnis
verdonnert
vermahnen
vermaledeien
Vernünftelei
verpönen
verwichen
Vettel
vorbezeichnet
vordem
vorwalten
wacker
waffenfähig
Waffengang
Wagehals
Wagenschlag
wahrlich
wallfahrten
wertschätzen
wessentwillen
widerraten
widerschallen
Wiesengrund
Willen
Windsbraut
wohlan
wohlfeil
wohlgeraten
wonniglich
Wundarzt
zeihen
ziemen
zuvörderst
zwiefach
zwiefältig

Natürlich sollte man darauf achten, Worte zu verwenden, die das Gegenüber auch versteht. Einige schöne Anregungen sind glaube ich dennoch dabei. Hier muss man ganz klar auch auf die Menge achten! ;)

Worte, die nicht in den Kontext passen:
Dies sind natürlich Worte moderner Prägung.

- Alles, was dem 'denglisch' entspricht, wie etwa 'okay', 'dizzen' und 'Support', hat in einer mittelalterlich geprägten Welt nichts verloren.

- Gleiches gilt selbstverständlich für die Spielbegriffe wie 'Moralreg' oder 'DoT', egal, ob die nun englischen oder deutschen Begriffen entstammen. Auch Abkürzungen wie 'rüssi' statt Rüstung oder 'runi' statt 'Runenbewahrer' gehören dazu.

- moderne / jugendsprachliche Ausdrücke wie 'Alder', 'echt krass' oder Ausdrücke, die in einem anderen als dem eigentlichen Kontext verwendet werden, wie 'fett', 'cremig' und 'genial' usw. gehören natürlich auch nicht in diese Welt. Allerdings kann man die letztgenannten und einige Begriffe mehr in ihrer ursprünglichen Wortbedeutung natürlich sehr wohl verwenden.

'toll' = 'verrückt, wahnsinnig' (wie in 'Tollhaus')
'geil' = 'erregt, sexbesessen' (wie in 'ein geiler Hurenbock')

Geld
Hier ein mittelalterlich geprägter Vorschlag:

Heller < (Kupfer-)Pfennig < Groschen (Messing) < (Silber)Taler < (Gold)Dukaten / Dublonen

Der rote (kupferne) Heller war die kleinste Währungseinheit des Mittelalters. Daher auch das Sprichwort "Auf Heller und Pfennig zurückzahlen lassen". Im Mittelalter gab es kein Papiergeld. Jedes Geldstück hatte genau den Wert des Metalls, das in ihm verarbeitet worden war. Es war nicht unüblich, Geldstücke mit einem scharfen Beil in der Mitte zu teilen oder sogar zu vierteln, wenn man ansonsten nicht genau herausgeben konnte. Auch beim Verdacht auf Fälschung geschah das, um das Innenleben einer Münze inspizieren zu können. Die Münzen behielten unabhängig davon aber weiter ihren Wert, man konnte also durchaus mit einem halben oder sogar Viertel-Pfennig bezahlen.

Schimpfwörter und Beleidigungen
Nichts macht eine Welt so farbig und fühlbar wie ein paar echte Flüche und Beleidigungen. Bitte seid gewarnt, daß nicht alle Schimpfwörter in allen Situationen verwandt werden sollten, vor allem was jene Worte angeht, die Bezug auf Sex nehmen. Stellt euch einfach vor, was ihr dort sagt, würde euch später euer kleiner Bruder / Schwester / Tochter / Sohn ins Gesicht schmeissen. Wenn ihr das nicht wollt - lieber weglassen und dafür blumig umschreiben! Ich habe mich bemüht, sie grob nach 'Heftigkeit' zu ordnen.

Aus der Welt der Tiere
Hundesohn
Hundsfott
Sohn einer räudigen Hündin
Hornochse
Aasfresser
Otterngezücht
Schafskopf

Sohn / Tochter eine/r/s *beliebiges Adjektiv wie 'dreckig', 'hirnlos', etc. hier einfügen*
Hund
Hammel
Kröte
Wurm
Ratte
Schlange
Esel
Schwein
Ochse

Gegen Frauen
Weibsbild
Vettel
Muhme (im Sinne von 'Alte')
Hexe

Gegen Männer und Helden
Maid
Jüngling
Bubi
Bürschchen
Knabe
Lustknabe (homosexuelle Freuden galten nach mittelalterlichem Recht nicht als Sex, ebensowenig wie Sodomie (Sex mit Tieren) und darum auch nicht als Sünde. Dennoch waren diese 'Jobs' natürlich nicht allzu beliebt. Derartige Neigungen wurden oft mit Stockschlägen 'behandelt'.)


Sonstige
Schinder / Schleifer (= jemand, der seine Arbeiter zu Tode schindet)

Trottel
Narr
Dummerjan
Schwachkopf
Dummkopf

Rotwelscher / Zigeuner (Das Rotwelsch war die Sprache der Vogelfreien, Bettler, Diebe und Zigeuner. Es setzt sich aus tschechischen, jiddischen und verunglimpften deutschen Bezeichnungen zusammen und galt als 'Geheimsprache' des Mittelalters. Zum Rotwelsch gehören auch die 'Gaunerzinken', eine Serie von Hieroglyphen, mit denen Türrahmen und Wände bekritzelt werden konnten, um anderen Bettlern und Dieben Hinweise zu geben wie 'hier ist nichts zu holen' oder 'tu fromm dann kriegst du ein Almosen'. Rotwelsch ist uns auch heute nicht ganz unverständlich, denn einige Begriffe sind in die Umgangssprache eingegangen - z.b. der Begriff 'malochen' )
Radebrech (= Fremder, jemand der die Sprache nicht beherrscht)
Vogelfreier (ein Ausgestossener, jemand, der nicht mehr das Recht hat, in einer Stadt zu wohnen)

Schelm
Schalk
Lump
Schlitzohr (basiert auf einer Form der Bestrafung bei der der Täter mit einem Ohr an ein öffentlich ausgestelltes Brett genagelt wurde und dort eine gewisse Zeit verbleiben musste. Wollte er danach freikommen, musste er sich losreissen und hatte dann zeitlebens einen Schlitz im Ohr).
Schuft
Halunke
Dreckskerl
Arschloch (als 'Arsloch' historisch belegt, ehrlich wahr)

Bastard
Bankert
Henkerssohn (Henker waren oft begnadigte Verbrecher und durften auf keinen Fall innerhalb der Stadtmauern wohnen. Teilweise war es sogar verboten, mit ihnen zu sprechen / Handel zu treiben. Auf jeden Fall beeinträchtigte solch ein unfeiner Umgang das Ansehen einer Person ganz enorm.)
Hurensohn
Hurenbock
Metze (= Ehebrecherin)
Kupplerin (= Zuhälterin, war im Mittelalter ein typischer Frauenberuf alternder Huren übrigens)
Schenkenhure
Schlampe
Dirne
Hure

Flüche
Mist!
Verflucht!
Pest und Pocken!
Donnerkeil! / Donnerschlag! / Dunnerschlach! (man geht davon aus, das dies das älteste bekannte Schimpfwort ist und noch Bezüge zu Thor / Taran, den keltisch-germanischen Donnergottheiten hat)
Verdammt!
Verflixt!
Vermaledeit!
Die Pest über Dich!
Möge Krätze Dich und Deine Kinder ereilen!
Die Blattern über Dich und Deinesgleichen!
Soll der Blitz Dich treffen!

Im tatsächlichen mittelalterlichen Kontext galt das Benutzen 'schwarzer Sprache' als läßliche (wenig geahndete) Sünde. Das falsche Führen des Namens Gottes dagegen wie in 'Hergottnocheinmal' war durchaus eine grössere Sünde und musste entsprechend gebeichtet und gebüßt werden.


Nicht zu verwendende Schimpfworte:

Bei meiner Recherche sind mir zwei Schimpfworte aufgefallen, die man besser nicht verwenden sollte. Zum einen, weil sie für unsere Zeit zu heftig sind, zum anderen, weil sie im Mittelalter überhaupt nicht negativ belastet waren und also nicht als Schimpfwort galten.
Dies sind:

* Wichser / wichsen : Wichse war (und ist teilweise noch, wie in dem Wort 'Schuhwichse') jedwede Substanz, die für das Bohnern und Einreiben von Gegenständen gebraucht wurde, eben etwa Stiefel oder Parkettböden.
Es gab sogar den Beruf des 'Wichsmädels' - eine Hausangestellte, die für das Bohnern der Böden zuständig war.

* ficken : Ficken bezeichnete ursprünglich eine schnelle, unruhige Vor- und Zurückbewegung ganz ohne sexuellen Kontext. Dieser wurde erst später aus dem Soldatenjargon übernommen. Im Mittelalter wurde ein Schwert nach dem Schmieden durch einen aufgehängten Sandsack ge'fickt', um Ruß und andere Schmutzreste zu entfernen. Aus dieser Tätigkeit heraus stammen wohl auch die Nachnamen der armen Menschen, die heute 'Ficker' usw. heissen.
Im Norddeutschen gibt es auch heute noch das Attribut 'fickerig' für einen unruhigen, herumtigernden Menschen - und auch die Zwickmühle beim Mühlespiel hiess ursprünglich 'Fickmühle' - weil man beim Hin- und Herziehen der Steine von einer Mühle in die andere zog.

Quellenangabe: Teile dieses Textes basieren auf dem LarpWiki, einigen Wikipedia-Einträgen und anderen im Netz frei zugänglichen Quellen zu Marktsprech, AmbienteSprech, LARPsprech u.ä.
Hier gibt es die Liste des laut Dudens 'veraltender' Wörter.

Die Autorin erhebt weder Anspruch auf Vollständigkeit noch auf vollständige Richtigkeit dieses Textes.

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